Review – TO 1×06 Fruit Of The Poisoned Tree

 

Dieses Mal ist es keine Zusammenfassung, sondern eher eine Nacherzählung. 😉 Doch ich fand jede Sekunde dieser Folge als wichtig und einzigartig fantastisch an, dass ich alles, aber wirklich auch alles, genaustens beleuchten wollte.

“Der Giftbaum” von William Blake

Ich war zornig auf den Freund;
sagt‘ es ihm: mein Zorn verblich.
Ich war zornig auf den Feind;
schwieg: mein Zorn vermehrte sich.
Nächtens, Morgens, furchtverseucht,
hielt ich ihn mit Tränen feucht,
sonnte ihn im Lächeln mein
und mischt‘ List und Trug darein.
Und er wuchs bei Tag und Nacht,
hat den Apfel mir erbracht,
bis mein Feind, verlockt vom Glanz
(wissend, er gehört mir ganz)
sich in meinen Garten stahl,
als verhüllt der Sterne Strahl:
Morgens seh ich, mit Vergnügen,
meinen Feind am Giftbaum liegen.

Diese Zeilen von William Blake liest Klaus in einem Buch, während im Hintergrund ein Violinenkonzert von Bach spielt und er immer wieder auf Elijah schielt, der ihm gegenüber sitzt, ebenfalls lesend. Ohne das es ausgesprochen wird, hört man regelrecht die Gedanken der beiden. Eine herrliche Szene!
Klaus fühlt sich absolut unwohl. Er weiß, dass er mit Elijahs Erdolchung und Auslieferung an Marcel Bockmist gemacht hat und ist völlig nervös, warum der Bruder so gelassen ist. Und dieser weiß genau, wie sich Klaus fühlt und genießt es offensichtlich seinem kleinen Bruder dadurch eine Lektion zu erteilen, die er mit Gewalt oder Herumgeschreie nie erreicht hätte.
Klaus ist in dieser Szene wie ein Kind, dass etwas Verbotenes getan hat und genau weiß, dass der Vater davon weiß und nun auf Strafe wartet, doch der Vater ist weiterhin liebevoll und gütig und das Kind wird immer nervöser.

 

Hut ab vor JP und den Schreibern. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie Elijah Klaus bestraft, da ja beide unverletzbare und untötbare Vampire sind. Diese Art finde ich einfach nur genial. Klaus zwickt das böse Gewissen und zwar so richtig. 😀

 

Die ganze Szene bekommt allerdings einen heftigen „Vampirtouch“, denn zwischen den beiden Lesenden liegt auf dem Tisch die Leiche einer jungen Frau mit zerrissener Kehle, deren Blut langsam auf den Teppich tropft.
Es ist fast surreal dies zu sehen, da beide Vampire so friedlich und gebildet wirken, so kultiviert und in ihrer Sprache und Gestik auch sehr zivilisiert. Doch auf dem Tisch liegt das Gegenteil davon und dadurch wirkt das Lesen der beiden, die Bach-Musik im Hintergrund und die Höflichkeiten, die sie austauschen fast kälter und härter, als irgendeine Abschlachtungsszene zuvor.
Es wird ganz klar dargestellt, dass für beide – auch für Elijah, den so mancher als nobel und nett bezeichnen – ein Menschenleben wenig zählt und Menschen in erster Linie „gutes Essen“ bedeuten.

 

Noch herrlicher wird die Szene als Rebekah hinzukommt und völlig genervt meint, ob das einzige was sie tun würden nun ein Vampir-Buch-Club zu gründen wäre. Klaus Blicke zu Elijah werden immer nervöser, während Elijah immer gelassener wirkt. Ach ja und die Leiche auf dem Tisch war ein Friedensangebot, mehr nicht. 😉 Allerdings wollte Elijah dies nicht und so hat wohl Klaus das arme Mädel ausgezuckelt. Rebekah macht sich allerdings mehr um den 200 Jahre alten Teppich sorgen und Elijah blickt eher ein wenig erstaunt auf das Blut, so wie jemand auf einen Marmeladenfleck starrt.

 

Habe ich schon erwähnt, dass diese Anfangsszene einfach nur herrlich und zum Niederknien ist?